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QUARANTINE’42 · 2026

Die Kommune

Was bisher geschah

Die Kommune

2026 - Das Jahr der Katastrophe

Tausende Tote und verwesende Leichenberge. Männer, Frauen, Kinder und Tiere. Die Kadaver zersetzen sich ungewöhnlich schnell und werden zum neuen tödlichen Giftquellen. Die Großstädte werden bombardiert und großflächig in Brand gesetzt. Es regnet wochenlang Asche. Die Luft riecht nach dem Tod einer ehemaligen Welt. Die Immunen, die nicht evakuiert werden konnten, flüchteten auf das Land und in die Wälder. Es herrscht Einsamkeit, Zerstörung und Hoffnungslosigkeit. Kein Strom, kein Funk, nur Flugblätter, die allen Überlebenden viel Glück wünschen.

2027 - Das Ende der Welt

Für die Immunen wird im Frühjahr klar, dass es weder Flucht noch Rettung geben wird. Es gibt keine Möglichkeit, Kontakt nach außen aufzunehmen. Sie wurden aufgegeben. Isoliert und vom Rest der Welt getrennt. Durch brandgerodete Todeszonen und Drohnenbewachte Grenzen, wissen sie, dass sie auf sich allein gestellt sind. Manche glauben, die ganze Welt sei gefallen, andere sprechen von gezielter Isolation, um den Rest der Welt zu schützen. Viele sterben später trotzdem an Gewalt, Hunger, Krankheit und Unfällen.

2028 bis 2030 – Ein Bauer und ein Haus

Menschen finden sich zusammen, bilden Gruppen und neue soziale Strukturen. Manche bleiben dennoch allein und entschlossen, niemandem zu vertrauen. Lev Melnyk findet auf seiner einsamen Wanderschaft ein vermeintlich verlassenes Holzhaus, mitten im Wald gelegen, von Feldern umgeben und wider Erwarten bewohnt von einem äußerst lebendigen, alten Bauern. Wilhelm Kruse nimmt Lev ohne Widerworte auf, teilt sein Essen und sein Wasser und erwartet nichts als Gesellschaft. Nach einer Weile entsteht ein tiefes Band zwischen den beiden, beinahe wie Vater und Sohn. Wilhelm beginnt, Lev alles beizubringen, was er über Landwirtschaft weiß. Es entstehen Tagebücher und ganze Schriften über Ackerbau, Viehzucht, Agrararbeit, Wassergewinnung und Energiegewinnung. Lev hilft Wilhelm dabei, das Haus intakt zu halten und Reparaturen vorzunehmen, die schon vor der Katastrophe nötig gewesen waren. Es entsteht die Idee, andere Überlebende aufzunehmen. Eine Idee, die auch noch einmal auf dem Sterbebett des alten Wilhelms, als sein letzter Wunsch Nachdruck findet. Aus Respekt und mit erweichtem Herzen geht Lev auf Suche, nimmt Immune auf und bringt ihnen bei, was er gelernt hat. Die Schriften und Dokumente werden wie ein Heiligtum behandelt. Neue Erkenntnisse werden niedergeschrieben und so entsteht eine intakte, weitestgehend friedliche Kommune.

2031 bis 2035 – Bittere Erkenntnis

Lev ist der Ursprung und das Bindeglied der Kommune. Er wird respektiert und geachtet, denn ohne ihn wäre dieses friedvolle, beinahe normale Leben nicht möglich geworden. Aus dem Frieden entsteht das Ziel, eine gefallene Zivilisation wieder aufzubauen. Paare finden sich. Manche schließen feste Partnerschaften, manche finden nur für die Nacht zusammen.

Doch der Nachwuchs überlebt die Giftbelastung nicht, die selbst in den Körpern der angehenden Mütter vorherrscht. Es kommt zu Fehl- und Totgeburten. Die Kommune versucht alles: Isolation, alte Medikamente, improvisierte Schutzräume. Doch nichts hilft. Eine tiefe Trauer legt sich über die kleine Gemeinschaft. Die Gewissheit, dass sie vielleicht die letzten Menschen in der Quarantänezone, möglicherweise sogar auf der ganzen Welt sein könnten, breitet sich aus. Das Ausmaß der Katastrophe wird vielen noch einmal schmerzlich bewusst. Es gibt keine Zukunft. Fortpflanzung wird nicht mehr thematisiert. Schwangerschaft wird so gut es geht vermieden oder mit improvisierten Mitteln frühzeitig abgebrochen, um weiteres Leid und die Gefahren einer Geburt für die Mutter zu umgehen. Mit den Jahren gewöhnt sich die Kommune an den Gedanken. Sie leben weiter ihr Leben, ohne Sorgen über die Zukunft.

2036 bis 2040 - Marodeure und Banditen

Kurz nach Sonnenaufgang, an einem sonnigen Tag im frühen Sommer, taucht das erste Mal eine größere, organisierte, bewaffnete Gruppe auf. Einzelne Bewohner der Kommune denken für wenige, hoffnungsvolle Sekunden an ein spätes Rettungskommando. Lev erkennt sofort, dass die militärisch anmutenden Männer und Frauen alles andere als eine Rettung sind. Und tatsächlich kommt es zu Übergriffen und gewaltsamer Eskalation, die einen Bewohner, trotz aller Deeskalationsversuche, das Leben kostet. Deutlich wird klar, wer die Anführerin ist: Der Captain. Es gibt keine Verhandlung, nur eine klare Anweisung: „Versorgt uns jährlich mit Lebensmitteln, Kleidung und Treibstoff, und ihr bleibt am Leben.“ Nach wenigen Stunden der Angst verschwindet die Gruppe aus ehemaligen Soldaten und gesetzlosen Banditen wieder. Sie hinterlassen Stille und Fassungslosigkeit. Aus wortkargen, beinahe geflüsterten Konversationen wird deutlich: Lev will, dass die Kommune gehorcht. Das Leben der Bewohner ist ihm wichtiger als Kampf und Widerstand. Also fängt die Kommune an, noch härter zu arbeiten. Mehr anzupflanzen, mehr zu ernten. Doch das bisher erträgliche und ruhige Leben wird jetzt von Angst und Mangel geplagt. Es bleibt kaum genug Essen für alle übrig. Ohne die Notwendigkeit einer allgemeinen Absprache beschloss die Kommune im Stillen, sich ab jetzt der Außenwelt stärker zu verschließen. Sie werden misstrauischer gegenüber Überlebenden, deren Weg zu ihnen führt und wählen sorgfältiger, wer noch in die Kommune aufgenommen wird. Die nächsten Jahre, immer genau auf den Tag ihres ersten Auftauchens, erscheinen der Captain und ihre Schergen wieder in der Kommune, um den anstehenden Tribut zu fordern.

2041 bis Heute – Eine Fremde namens Jax

In diesem Jahr, einige Wochen nach der erneuten Auslieferung des Tributes, stolpert eine Fremde auf das Haus zu. Die Frau, die sich als Jax vorstellt, wird erst nur vorübergehend in der Kommune geduldet. Sie beweist sich jedoch als äußerst robust und anpassungsfähig. Ihre resolute Art, mit unerwünschten Streunern und potentiellen Dieben umzugehen und Konflikte unter den Bewohnern zu schlichten, imponiert den Anderen. Sie wird nach kurzer Zeit als selbsternannter Sheriff von den meisten Bewohnern akzeptiert. Nachdem Jax von dem Captain und ihren Machenschaften erfährt, ruft sie offen zum Widerstand auf und gewinnt Zuspruch von einzelnen Bewohnern, die der Ausbeute müde sind. Doch Lev spricht sich wiederholt dagegen aus und propagiert,

dass eine solche Schikane ein angemessener Preis für ein Jahr Frieden sei. Auch wenn es niemand offen zugibt, wählen die Mitglieder ihre Seite. In Hinblick auf den kommenden Besuch des Captains im Jahr 2042 scheinen sich die Vorstellungen und Fronten in der sonst so harmonischen Kommune zu verhärten.

Der Alltag in der Kommune:

Das Leben in der Kommune ist arbeitsreich und manchmal auch entbehrlich, doch ihr habt in dieser Gemeinschaft eine Heimat und einen Ausweg aus der ständigen Flucht und dem Überlebenskampf der ersten Jahre in der Zone gefunden. Auch wenn jeder von euch seine eigenen, individuellen Fähigkeiten nutzt, und jeder tagtäglich seinen eigenen Aufgaben nachgeht, um das Überleben seiner Mitbewohner sicherzustellen, packt ihr alle doch immer gemeinsam an, wenn viele Hände eine Arbeit einfacher und schneller zu Ende bringen können. Ihr habt Lev, dem Gründer der Kommune, viel zu verdanken. Auch wenn es in weiter Entfernung noch andere kleinere Ansiedlungen gibt, die eurem Vorbild folgen, ist das Wissen, das er an euch weitergeben konnte, nicht nur für diejenigen unter euch unbezahlbar, die zunächst keine nützlichen Kenntnisse aus ihrem alten Leben in die Gemeinschaft einbringen konnten. Selbst die Ausbeutung durch die bewaffnete Truppe, die euch nun schon sechs Jahre regelmäßig heimsucht, konnte euren Willen nicht brechen, die Tage, die jedem von euch auf dieser Erde noch bleiben, an diesem Ort verbringen zu wollen. Und so arbeitet ihr hart und gewissenhaft, um euren Soll zu erfüllen, damit der geforderte Tribut erbracht werden kann, ohne dass ihr über den Winter hungern leiden müsst. Zumindest halten die Waffen derer, die euch ausbeuten, anderes mörderisches Gesindel fern. Vor einem Jahr hattet ihr sogar das Glück, dass die Truppe, die gerade den Tribut abtransportieren wollte, eine verirrte Killerdrohne mit einer EMP Waffe zerstören konnte, vor der ihr euch sonst rechtzeitig ins Haus hättet flüchten müssen. Nun steht bald ein neuer Tribut an und ihr tragt jetzt schon die Lebensmittel, den Treibstoff und die Waren zusammen, die ihr den Männern und Frauen um den Captain schuldet. Wie jedes Jahr werden sie erwartet, dass ihr sie während der Übergabe mit einer frischen Mahlzeit bewirtet und hoffentlich nach kurzer Zeit wieder bis zum nächsten Jahr aus eurem Leben verschwinden.